Gniffke bekennt sich zu weitreichenden Reformen - epd medien

11.04.2024 13:12

SWR-Intendant und ARD-Vorsitzender Kai Gniffke

Mainz (epd). Der SWR-Intendant Kai Gniffke hat sich für weitreichende Reformen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ausgesprochen, bei denen der föderale Charakter aber erhalten bleiben müsse. "Ich verfluche jeden Tag fünfmal den Föderalismus, aber am Ende des Tages bin ich froh, dass es ihn gibt", sagte der ARD-Vorsitzende am Donnerstag bei einer Expertenanhörung im Medienausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags in Mainz.

Die Forderung des Zukunftsrats für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nach einer zentralen ARD-Anstalt sehe er gerade angesichts der Entwicklung in anderen europäischen Ländern skeptisch. So bestimme in Italien die Ministerpräsidentin, wer Chefredakteur der Rundfunkanstalt Rai werde, und in Großbritannien sei zu beobachten, wie die BBC "kurz und klein gehauen" werde. Die föderalen Strukturen der ARD-Sender seien "Garant für unsere Unabhängigkeit".

Zeitnahe Beschlüsse avisiert

Gniffke versicherte, die Verantwortlichen seien sich bewusst, dass es erhebliche Reformen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk geben müsse. Er versprach zeitnahe Beschlüsse für weitere Kooperationen innerhalb der ARD-Gemeinschaft bei den Hörfunkwellen und der Herausbildung inhaltlicher Schwerpunkte.

Die Vorsitzende des Zukunftsrats, die Medienmanagerin Julia Jäkel, kritisierte in der Landtagsanhörung, manchen Verantwortlichen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern sei die Dramatik der Situation nicht klar. Das Angebot müsse deutlich digitaler und deutlich effizienter werden. Veränderungen an der Oberfläche reichten im Wettstreit mit Mediengiganten wie Netflix oder Amazon nicht aus, dabei seien die öffentlich-rechtlichen Angebote für den Erhalt der Demokratie wichtiger denn je.

Der Publizist und ehemalige Generaldirektor der öffentlich-rechtlichen Schweizer Rundfunkgesellschaft SRF, Roger de Weck, warf der ARD enorme Ineffizienz vor. Sie habe keine Strategie, kein oberstes Entscheidungsgremium, keine einheitliche Technik und nicht einmal ein einheitliches Rechnungswesen. Bei einer Reform des Rundfunksystems müsse es Möglichkeiten geben, die Sendeanstalten finanziell zu sanktionieren, wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllten, forderte de Weck, der ebenso wie Jäkel dem Zukunftsrat angehörte.

lmw



Zuerst veröffentlicht 11.04.2024 15:12 Letzte Änderung: 11.04.2024 21:45