ZDF erweitert Podcast-Angebot - epd medien

11.03.2024 12:00

ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf ist jetzt auch im Podcast "Brave New World" zu hören

Mainz (epd). Das ZDF hat sein Podcast-Angebot erweitert und will damit bestimmte Zielgruppen besser ansprechen. Wo die angepeilten Zielgruppen "mit den eigenen Plattformen nicht ausreichend erreicht" würden, könnten Podcasts auch zukünftig eine sendungsbegleitende Rolle einnehmen, erklärte das ZDF auf epd-Anfrage. Es gehe darum, "ein ZDF für alle zu bieten".

Im April 2022 hatte der Fernsehsender unter dem Namen "Ein ZDF für alle" einen Strategieprozess eingeleitet, um künftig vor allem jüngere Menschen besser zu erreichen. Bei Podcasts handelt es sich rechtlich um Telemedien, die das ZDF veranstalten darf.

Im Februar startete das ZDF den Podcast "Brave New World", der an das Magazin "Auslandsjournal" angedockt ist und dort auch redaktionell abgenommen wird. In "Brave New World" sprechen einmal im Monat die beiden ZDF-Auslandskorrespondentinnen Golineh Atai und Katrin Eigendorf sowie die Journalistin Jagoda Marinić über aktuelle außenpolitische Themen.

Audiofassungen von Fernsehsendungen

Ebenfalls seit Februar gibt es vom ZDF den Podcast "Militär & Macht - Die Analyse", der immer freitags verfügbar ist. Dabei handelt es sich aber nicht um eine originäre Podcast-Produktion. Basis sind Interviews und Gespräche aus dem Online-Videoformat "ZDF Heute live", bei denen es um die Themen Militär und Macht geht. Die bereits verbreiteten Inhalte sollen als Podcast ein zusätzliches Publikum finden. Das ZDF bietet einige Fernsehsendungen schon seit längerem auch in einer reinen Audiofassung an, darunter das Nachrichtenmagazin "Heute Journal" und die Talkshow "Maybrit Illner".

Beim ZDF gebe es Podcasts "ausschließlich sendungsbegleitend", erklärte der Sender. Podcasts ohne Anbindung an eine bestehende Fernsehsendung gibt es demnach nicht. Vor allem zu bekannten Formaten konzipiert das ZDF Audio-Ableger.

Derzeit hat das ZDF nach eigenen Angaben sechs Podcasts. Dabei handelt es sich neben "Brave New World" auch um "Lanz & Precht" mit Markus Lanz und Richard David Precht, um den True-Crime-Podcast "Aktenzeichen XY... - Unvergessene Verbrechen" mit den Journalisten Rudi Cerne und Conny Neumeyer sowie um "Terra X - Der Podcast" und "Terra X History - Der Podcast". 2023 ging mit "Pur+ - Wissendrin mit Eric" ein Podcast für Kinder an den Start. "Pur+" ist ein Wissensmagazin für Kinder, das von Eric Mayer moderiert wird.

Unter den meistgehörten Podcasts

Die Podcasts "Lanz & Precht" und "Aktenzeichen XY... - Unvergessene Verbrechen" gehören nach ZDF-Angaben zu den Top 20 der meistgehörten Podcasts in Deutschland. Das gehe aus der bisher nicht veröffentlichten "ARD/ZDF Podcast Basisstudie 2023" hervor. Diese beiden Produktionen seien "die erfolgreichsten öffentlich-rechtlichen Podcasts". In der jüngeren Vergangenheit hatte das ZDF zwei Podcasts wieder eingestellt, und zwar "Terra X - Maschinenraum" mit Harald Lesch und "Pitch - der Plan B Podcast". "Plan B" ist eine Dokureihe des ZDF, in denen es etwa um "Lösungsideen für gesellschaftliche Probleme" geht.

Sollten Podcasts Ziele wie etwa die angestrebte Zielgruppe oder Performance nicht erreichen, würden sie wieder eingestellt, erklärte das ZDF. Keiner der originären ZDF-Podcasts wird vom Sender selbst produziert. "Lanz & Precht" wird von Mhoch2 zusammen mit Podstars by OMR hergestellt. Mhoch2 ist die Firma, an der Lanz beteiligt ist und die auch seine ZDF-Talkshow produziert. "Aktenzeichen XY... - Unvergessene Verbrechen" produziert die Firma Securitel in Kooperation mit Bumm Film. Securitel ist auch für die Produktion von "Aktenzeichen XY... ungelöst" zuständig. "Brave New World" wird von Bose Park Productions hergestellt, "Terra X History" von Objektiv Media. Die Firma Kugel und Niere produziert "Pur+ - Wissendrin mit Eric" und "Terra X - Der Podcast".

Abnahme durch Fachredaktion

Alle Podcasts würden vor der Veröffentlichung von der jeweils zuständigen Fachredaktion abgenommen, teilte das ZDF dem epd mit. Dieses Prozedere habe auch schon in der Vergangenheit gegolten. Im Oktober 2023 gab es Antisemitismus-Vorwürfe gegen Precht, nachdem er im Podcast mit Lanz falsche Aussagen zu ultraorthodoxen Juden gemacht hatte. Ihnen sei, so behauptete Precht damals, aus religiösen Gründen untersagt, zu arbeiten - "außer ein paar Dinge wie Diamanthandel und Finanzgeschäfte".

Das ZDF entfernte dann diese Passage aus dem Podcast. In einer neuen Folge bat Precht um Entschuldigung und korrigierte zusammen mit Lanz die falschen Aussagen. Auch beim ZDF-Fernsehrat gingen damals Beschwerden ein.

ZDF-Intendant Norbert Himmler räumte gegenüber den Beschwerdeführern im November 2023 ein, dass in dem Podcast ein Fehler passiert und die Kritik berechtigt sei: Die betreffende Aussage von Precht sei "sachlich falsch und reproduziert antisemitische Klischees". Den Vorfall habe man zum Anlass genommen, die "redaktionellen Prozesse und Verantwortlichkeiten bei der Abnahme des Podcasts zu hinterfragen", erklärte Himmler in der Stellungnahme, die auf der Internetseite des Fernsehrats veröffentlicht wurde.

vnn



Zuerst veröffentlicht 11.03.2024 13:00 Letzte Änderung: 11.03.2024 16:22